Gemeinde
Aaron Eckstaedt
nisht kejn konzert – klesmer, lieder, geschichten,
Freitag, 13. November 19.30 Uhr
Aaron Eckstaedt singt nicht nur jiddische Lieder und spielt virtuos Klezmermusik auf dem Akkordeon. Auf Jiddisch erzählt er majsses, Geschichten und Anekdoten aus der alten Welt und plaudert mit jüdischem Witz über das Leben und die Liebe, Tradition und Religion. Fremd klingt das Jiddische, aber zugleich seltsam vertraut. So wie die alten Lieder aus Lachen und Weinen, die sich mit dem wehmütigen Klang des Akkordeons mischen und bei denen wir uns schließlich erstaunt beim Mitsingen ertappen.
Jiddische Musik nicht als museales An- und Gedenken, sondern als lebendige Kultur auf die Bühne zu bringen, geschieht dabei durchaus mit einem Hintergedanken. Nisht kejn konzert will den Kontakt zu einem anderen, dass so anders nicht ist, herstellen. Selten sind das Fremde und das Eigene so vermischt wie im Fall der jüdischen Kultur, die auch eine wichtige Grundlage der „christlichen“ abendländischen Kultur ist, und der jiddischen Sprache, die im Althochdeutschen wurzelt und Deutschsprechenden zum größten Teil unmittelbar verständlich ist. So wird statt einer abstrakten Begegnung mit dem Unfassbaren, die vor allem auf Schülerinnen und Schüler häufig abschreckend wirkt, eine konkrete Erinnerungsarbeit möglich. Dass die deutsche Verantwortung für den Mord an den osteuropäischen Juden dabei nicht vergessen wird, zeigt die letzte Zugabe: ein hebräisches Lied, das in Israel jedes Kind in der Schule lernt, und das von einer jüdischen Fallschirmspringerin erzählt, die als junge Erwachsene gegen die Nationalsozialisten kämpfte und dabei ihr Leben ließ.
Aaron Eckstaedt studierte im Ruhrgebiet, an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie in Oxford. Als Akkordeonist ist er Preisträger zahlreicher Wettbewerbe und war u.a. Mitglied im Ensemble von Giora Feidman. Als Schauspieler war er Gast an verschiedenen deutschen Bühnen, als Wissenschaftler forscht und lehrt er im Bereich jüdischer Musik und Musikpädagogik. In diesen Bereichen zahlreiche Schriften und Aufsätze, aktuell: „Klaus mit der Fiedel, Heike mit dem Bass. Jiddische Musik in Deutschland“ (Philo 2003).
Ostseezeitung, 14./15.11.2009
zu Rostock am Margaretenplatz