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Heiligen-Geist-Gemeinde Rostock

CD: ELOHENU - Geistliche Musik für Viola und Orgel 2015

Semjon Kalinowsky und Prof. Franz Danksagmüller gestalten jüdische Gebete und Gesänge in Bearbeitungen für Viola und Orgel. Die beiden Musiker aus Lübeck wollten diese Musik unbedingt bei uns einspielen, weil unsere Walcker-Orgel eine der ganz wenigen erhalten gebliebenen Orgeln aus der Zeit von vor hundert Jahren ist. Wohl alle Walcker-Orgeln, die in den Synagogen gebaut worden sind, sind vernichtet worden. Im Zusammenhang mit diesem Vorhaben hatten die beiden Musiker umfangreiche Forschungsarbeiten zu Synagogaler Musik unternommen und bei uns in der Kirche auch mit diesem Proramm konzertiert. In diesem Zusammenhang ist die CD ELOHENU beim Ambiente-Label dann produziert worden.

Elohenu ist einer der vier wichtigsten jüdischen Gottesnamen; wie wir auch etwa Gott, Herr, König und Erlöser verwenden. Die bekanntesten der zwölf Kompositionen der CD sind wohl das "Kol Nidrei" von Max Bruch und "Prayer" von Ernest Bloch.

"Kol Nidrei", wörtlich übersetzt „alle Gelübde“, ist eine formelhafte Erklärung, die vor dem Abendgebet des Versöhnungsfestes (hebr. Jom Kippur, höchster jüdischer Festtag im September/Oktober) gesprochen wird. Der Ursprung des Kol Nidrei ist unbekannt. Es existieren dazu zahlreiche Theorien; beispielsweise formulierte Joseph Samuel Bloch im Jahre 1917 eine zwar dramatische, jedoch nicht belegte Theorie, dass Kol Nidrei als Reaktion auf erzwungene Übertritte von Juden zum Christentum entstand.

Schon in früher Zeit wurden im Judentum zahlreiche Gelübde ausgesprochen, wobei parallel dazu das Bedürfnis entstand, diese zu widerrufen. Eigentlich ist Kol Nidrei ein Widerruf aller persönlichen Gelübde, Eide und Versprechungen gegenüber Gott, die unwissentlich oder unüberlegt abgelegt wurden.

„Alle Gelübde, Verbote, Bannsprüche, Umschreibungen und alles was dem gleicht, Strafen und Schwüre, die ich gelobe, schwöre, als Bann ausspreche, mir als Verbot auferlege von diesem Jom Kippur an bis zum erlösenden nächsten Jom Kippur. Alle bereue ich, alle seien ausgelöst, erlassen, aufgehoben, ungültig und vernichtet, ohne Rechtskraft und ohne Bestand.“

Die Melodie von Kol Nidrei ist eines der berühmtesten Beispiele für jüdische Musik und fand durch Max Bruch (1838-1920) Eingang in die autonome anspruchsvolle Musik.

Die Komposition "Prayer" von Ernest Bloch (1880-1950) verwendet alte traditionelle jüdische Melodien; der schweizerisch-amerikanischer Komponist jüdischer Abstammung vereinte diese mit eigenen Motiven.

 

CD-Inhalt:

Louis Lewandowski (1821 – 1894) Präludium A-Dur Op. 37 Nr. 4 (Orgel)

Ernest Bloch (1880 – 1959) Prayer aus: From Jewish Life (Viola und Orgel)

Louis Lewandowski (1821 – 1894) Präludium g-Moll „Kol Nidrei“ Op. 37 Nr. 2 (Orgel)

Max Bruch (1838 – 1920) Kol Nidrei Op. 47 (Viola und Orgel)

Siegfried Würzburger (1877 – 1942) Passacaglia und Fuge über „Kol Nidrei“ (Orgel)

Friedrich Gernsheim (1839 – 1916) Elohenu (Viola und Orgel)

Alexander Tansman (1897 – 1986) Deux pieces hebraiques (Orgel)

Samuel Alman (1877 – 1947) Haftara (Viola und Orgel)

Ernest Bloch (1880 – 1959) Wedding March No. I und No. II (Orgel)

Fernand Halphen (1872 – 1917) Andante religioso nach einem hebräischen Thema (Viola und Orgel)

 

Als leidenschaftlicher Vertreter seines Instruments versucht Semjon Kalinowsky die Viola von der Patina der Vorurteile zu befreien. Er gibt Konzerte u. a. in Polen, Russland, der Ukraine und Israel. Zu den Höhepunkten der letzten Konzertsaison gehört sein Auftritt bei dem Festival Jewish Musik Days, Haifa. Mit Professor Franz Danksagmüller verbindet ihn rege Zusammenarbeit; insbesondere mit dem Programm "Schalom - Kirche trifft Synagoge". Es stellt einen interreligiösen Dialog dar. Angelehnt an die reichen Traditionen der christlichen Orgelmusik und der jüdischen Liturgie, vereint es die beliebten Repertoire-Klassiker mit wertvollen Werken, die die beiden Musiker infolge ihrer intensiven Forschung wiederentdeckt haben. Die seltene, aber reizvolle Konstellation Viola und Orgel verspricht ein außergewöhnliches Klangerlebnis

Franz Danksagmüller ist Professor für Orgel und Improvisation an der Lübecker Hochschule für Musik. Er studierte Kirchenmusik- und Orgelstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien. Seine Solistenausbildung erfolgte 1993 bis 1995 an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. Er studierte Komposition und elektronische Musik und Musiktechnologie in Linz. 1994 erhielt er den Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung. Er ist Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe (u.a. ION, Nürnberg). Von 1999 bis 2005 war er Domorganist in St. Pölten (Österreich). Er konzertierte u.a. mit den Wiener Symphonikern, der Camerata Salzburg, den Berliner Symphonikern, den Hamburger Symphonikern, dem Orchestra of Birmingham und dem RSO Wien und arbeitete mit namhaften Dirigenten zusammen, u.a. mit Sir Simon Rattle und Ton Koopmann.


CDs

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- NDR: Glocken und Chor 21.2.2009

- Romantik CD 100-Jahrfeier 2008

- Konzert-Mitschnit 13.11.2004: Vierne-Fauré-Poulenc

- Sieling-Orgel CD 2002

- Werkstattkonzert Truhenorgel-Cembalo-Flöte 28.10.2001


Interesse? Bitte mailen Sie uns einmal: mathias.linnertgmx.de 

Andreas Sieling an der Walcker-Orgel der Heiligen-Geist-Kirche Rostock


Alexandre Guilmant        
Aus der Sonate Nr. 5 c-Moll op. 80 Allegro appassionato Adagio (Adagio con molt' espressione) Scherzo    

Otto Dienel     Choralbearbeitung "Wer nur den lieben Gott lässt walten"
Fritz Lubrich jun.     Toteninsel op. 37/3 nach einem Bilde von Arnold Böcklin
Franz Liszt                Die Hirten an der Krippe
Oskar Wermann             Weihnachts-Pastorale op. 93 Nr. 2
Fritz Lubrich jun.             In der Abendstille op. 24 Nr. 3
Otto Dienel                Scherzando op. 27
Louis Vierne                 Aus der Symphonie Nr. 3 fis-Moll op. 28 Cantilène Adagio Final

Aufnahmen: September 2002, Heiligen Geist Kirche Rostock
Tonmeister, Editing, Mastering, Layout  und Satz: Carsten Storm
Castigo, www.Castigo.de, email: info@castigo.de
Technik: 4 x Brauner VM-1, 28-Bit A/D
Orgelstimmung und Textübersetzung: Karl Friedrich Wieneke
Photos: Bernd Schwarz, www.berndschwarz.com
Produzentin: Dorothee Frei


Deutsche und französische spätromantische Orgelmusik

Die eingespielten Werke führen die klangliche Vielfalt, Fülle und Wandlungsfähigkeit der Walcker-Orgel mit deutscher und französischer Literatur der Spätromantik um 1900, der Entstehungszeit von Kirche und Orgel vor.

Alexandre Guilmant (1837 -1911) wurde Organist an der Pariser Kirche "LaTrinité" und war der erste französische Organist, der ausgedehnte Konzertreisen durch zahlreiche Länder unternahm. Gastspiele führten ihn nach England, Spanien, Österreich, Italien, Schweden, Belgien. Holland, Ungarn, Russland, Kanada und in die USA. Zeitgenossen rühmten an Guilmants Spiel sein perfektes, weiches Legato, seine unfehlbare Spieltechnik, sein Rhythmusgefühl und sein Rubato-Spiel, das es ihm ermöglichte, durch kaum spürbare Dehnungen oder Verkürzungen von Notenwerten wunderbare, kantable Linien heraus-zustellen. Guilmants acht Orge1sonaten entstanden zwischen 1874 und 1906. Die fünfte Sonate entstand 1894 und beginnt mit einem aufbrausenden, erregten Hauptthema mit anschließendem Fugato im ersten Satz (Sonatenhauptsatzform). Der zweite Satz entwickelt zunächst Momente großer Ruhe (Voix célèste), dann hebt ein bewegter Mittelteil mit Tenorsolo an (Grundstimmen 8') auf dem Hauptwerk und abschließend werden beide Themen in einem ruhigen dritten Teil miteinander kombiniert. Das amüsante Scherzo enthält zwei Trios.

Otto Dienel (1839 -1905) war an der Berliner Marienkirche als Organist angestellt. Dort ließ er durch die Firma Schlag & Söhne die ursprünglich von Joachim Wagner erbaute Orgel gravierend verändern. Das Instrument erhielt zahlreiche Spielhilfen.  Superoktav- und
Suboktavkoppeln, zwei Werke des Instruments standen im Schweller, das Hinterwerk erhielt als Solowerk 7 Stentorhochdruckstimmen, so dass das Instrument regelrecht "modernisiert" wurde. Dienel nutzte die Orgel derart effektvoll, dass die regelmäßigen Orgelkonzerte, die er jeden Mittwoch zur Mittagszeit veranstaltete, oft überfüllt waren. Warum er als "volkstümlicher" Organist galt, verdeutlicht sein Scherzando a-Moll. Dieses Stück, das Kritiker als "unkirchlich" bezeichneten, erwartet den Klang schnell ansprechender Gamben und Flöten "und soll Gelegenheit zu wirkungsvoller Vorführung dieser Register" bieten. Das Werk muss - nach Dienels Vorstellungen - leicht und fließend ausgeführt werden. In der schwermütigen Choralbearbeitung "Wer nur den lieben Gott lässt walten" erklingt die
Klarinette der Walcker-Orgel.

Die dem Pariser Organisten Charles Marie Widor gewidmete Komposition "Toteninsel" von Fritz Lubrich (jun.) (1888 - 1971) bezieht sich auf das gleichnamige Bild von Arnold Böcklin. Die Musik malt das bewegungslose Wasser, das kleine Boot mit Fährmann, in dem eine weiß verhüllte Gestalt steht. Das Boot nähert sich einem düsteren Eiland. Links und rechts der Insel ragen erhellte Felsen empor, dazwischen befindet sich eine von Zypressen bewachsene düstere Senke. Die Musik nimmt an Lautstarke immer wieder zu und mündet in ein Choralzitat. Aus dem Lied "Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen" (EG 518) erklang bereits im vierten Takt die Anrufung "Heiliger Herre Gott", die in der Mitte des Werkes ausführlicher zitiert wird. Etwa 10 Komponisten haben übrigens versucht, das Bild Böcklins von 1880 in Töne zu fassen, u.a. Sergej Rachmaninoff und Max Reger. Lubrich wurde in Schlesien geboren, war Schüler von Max Reger und Karl Straube und wirkte in Bielitz, Katowice sowie ab 1945 als Organist und Musikpädagoge in Hamburg. Sein "In der Abendstille" greift auf das bekannte Lied "Der Mond ist aufgegangen" zurück.

Franz Liszts (1811 -1886). "Die Hirten an der Krippe" entstammt der Sammlung "Weihnachtsbaum", die im Jahre 1876 für seine Enkelin komponiert wurde. Der hier eingespielte dritte Satz baut auf einer pastoralen Ostinato-Grundlage auf und zitiert das Weihnachtslied "In dulci jubilo".

Oskar Wermann (1840 -1906), in Neichen bei Trebsen (Sachsen) geboren, spielte bereits im Alter von 6 Jahren im Gottesdienst die Orgel. Er studierte zunächst am Lehrerseminar in Grimma, ging später nach Dresden, um sich der Musik zu widmen und erhielt dort Unterricht bei Gustav Merkel. Am Leipziger Konservatorium setzte er seine Ausbildung fort.

Er wirkte als Dirigent u.a. in der Schweiz und wurde 1875 als Nachfolger Julius Ottos zum Kantor am Gymnasium zum Heiligen Kreuz sowie der drei evangelischen Hauptkirchen Dresdens, also der Kreuz-, Frauen- und Sophienkirche, berufen.
Während seiner Amtszeit stieg die Zahl der Besucher der Sonnabendvespern in der Kreuzkirche von 30 bis 50 auf 3000 bis 4000. Er leitete 1879 eine Bach-Renaissance in Dresden durch die Erstaufführung der Johannes-Passion ein und studierte mit dem Kreuzchor Werke von Schütz, Händel, Mendelssohn, Brahms, Schubert und Bruckner. Sein Werkverzeichnis enthält zahlreiche Chor- und Orgelwerke. Wermann widmete sein op. 93, aus dem die Weihnachtspastorale entnommen wurde, dem Liszt-Schüler A. W. Gottschalg.

Louis Vierne (1870 - 1937) studierte zunächst bei César Franck und nach dessen Tod 1890 bei Widor. 1900 wurde Vierne einstimmig zum Organisten an Notre-Dame gewählt. Er komponierte sechs Orgelsinfonien. Die dritte Symphonie schrieb Vierne im Sommer des Jahres 1911 in der Normandie, wo Vierne seine Ferien im Sommerhaus der Familie Dupré verbrachte. Die träumerische Cantilène beginnt mit einer wunderschönen, von der Oboe vorgetragenen Melodie. Das Adagio entwickelt sich völlig aus dem in den ersten Takten aufgestellten Thema. Es werden Motive abgespalten und Figurationen entwickelt, dabei bleibt der zentrale Gedanke aber immer erkennbar. Die Reprise des Hauptmotivs in seiner Anfangsform führt zu einem lyrischen Höhepunkt. Die Symphonie wird von einer rasaten Toccata mit zwei Themen beschlossen. Das erste Thema des Finales begleitet ein carillonartiges Motiv, wobei der Schluss einer jeden Phrase von einem wirkungsvollen Sforzato bekräftigt wird.     

Andreas Sieling studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Publizistik in
Berlin, Orgel an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf bei Prof. Hans-Dieter Möller und Kirchenmusik (A-Diplom) in Halle (Saale). Zahlreiche Konzertreisen führten ihn in viele europäische Länder. Er ist an CD-, Rundfunk- und Filmaufnahmen beteiligt. Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten und die Herausgabe unbekannter romantischer Musik des 19. Jahrhunderts runden seine Tätigkeit ab. Sein Band "Berliner Orgelmusik des 19. Jahrhunderts" wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet. Sieling promovierte mit einer Arbeit über den Berliner Kirchenmusiker August Wilhelm Bach (1796 -1869) zum Dr. phil.. Seit Wiedereröffnung des Berliner Doms 1993 spielt er regelmäßig in Konzerten, Orgelvespern, Gottesdiensten und Andachten an der großen Sauer-Orgel dieser Kirche. Seit 1999 unterrichtet Sieling als Lehrbeauftragter für "Künstlerisches Orgelspiel" sowie Aufführungs-Orgelliteraturkunde und Methodik an der Universität der
Künste Berlin. Er arbeitet als Kirchenmusiker an der Johannes-Kirche in Berlin-Frohnau. Seit 2002 ist er als Kreiskantor für Berlin-Reinickendorf zuständig.   

Die Walcker Orgel

Die von Oscar Walcker (1869-1948) im Jahr 1908 gleichzeitig mit der Kirche fertig gestellte Orgel in der Rostocker Heiligen-Geist-Kirche gehört zu den besonders interessanten Instrumenten der mecklenburgischen Orgellandschaft. Zwar erreicht sie weder die Größe der
Sauer-Orgel in der Rostocker St.-Marien-Kirche noch die der Ladegast-Orgel im Schweriner Dom. Doch wie diese beiden etwa  eine Generation älteren Hauptwerke von Friedrich Ladegast (1818-1905) und Wilhelm Sauer (1831-1916) steht auch die Walcker-Orgel für den Versuch, orchestrale Klangfülle mit fein schattierten Farben in einem Instrument zu vereinen. Während Ladegast und Sauer dieses symphonische Klangideal insbesondere während ihrer Lehrjahre in der Pariser Werkstatt von Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) ausgebildet haben, scheint Walcker jedoch stärker von der deutschen Romantik beeinflusst. Natürlich spiegelt die Walcker-Orgel wie jede "Königin der Instrumente" nicht allein das Klangideal ihres jeweiligen Erbauers wider, sondern auch das übergeordnete Klangideal ihrer Entstehungszeit. So leben Orgeln der Barockzeit, für die es in Mecklenburg mit der Gercke-Herbst-Orgel in Basedow (erbaut 1680-1683) ein vorzügliches Beispiel gibt, von den kräftigen Farbkontrasten der Register und der deutlichen Trennung der einzelnen Werke: ein Ideal, das unmittelbar aus dem mehrchörigen Konzertieren dieser Zeit erwachsen ist. Auch die Orgeln der Romantik sind dem zeitgenössischen Orchesterklang verpflichtet. Ihre Farben sind weicher, und der Klang scheint insgesamt kompakter und weniger kontrastreich. Dafür sind die einzelnen Register feiner schattiert. Die Manuale haben bei der romantischen Orgel ihre klare, eigenständige Werkmäßigkeit aufgegeben, das Anziehen und Abstoßen der Register dient weit eher einem lückenlosen An- und Abschwellen des Tons als der klanglichen Kontrastierung.Die Walze, die nacheinander Register der verschiedenen Werke zur dynamischen Abstufung zu- oder abschaltet unterstreicht dieses. Typisch dafür sind auch das Schwellwerk und die eng mensurierten "streichenden" Stimmen, gegenüber denen die Mixturen in den Hintergrund treten. Walckers Rostocker Instrument fügt sich nahtlos in diese Klangästhetik ein und lässt doch nicht recht erahnen, dass der Erbauer später für die Geschichte der Orgelbewegung so wichtig werden sollte. Zart getönte Farben, die mit Registernamen wie "Lieblich Gedackt" oder "Flauto amabile" (liebliche Flöte) treffend charakterisiert sind, erheben sich bei dieser Orgel über die voluminösen Pedalstimmen, ohne jedoch aus dem Plenum herauszufallen. Der stationäre Klang mit seinen Möglichkeiten zu feinster dynamischer Differenzierung ähnelt damit dem Tutti eines großen Orchesters. Gerade dieses nicht zuletzt am Orchestersatz der großen Musikdramen Richard Wagners geschulte Klangideal freilich ist später von der Orgelbewegung verworfen worden, deren Vertreter vielmehr wieder im alten Werkprinzip der barocken Orgel den Maßstab gesehen haben. Als erstes unter dieser Prämisse neu entstandenes Instrument gilt die 1921 von Walcker erbaute
"Praetorus-Orgel" in der Universität Freiburg (Breisgau), deren Disposition den Angaben des Komponisten und Musiktheoretikers Michael Praetorius (1571/72 - 1621) folgt. Nicht zuletzt unter diesem Einfluss hat man das romantische Klangideal seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend als Einschränkung empfunden und Orgeln durch Umbauten dem barocken Stil anzupassen versucht. Die Rostocker Walcker-Orgel war in den Jahren von 1968 - 77 Gegenstand einer solchen Überarbeitung, die freilich auch dann das Instrument seines ursprünglichen Charakters beraubt hätte, wäre sie handwerklich besser ausgeführt worden. Mit der im Juni 2001 abgeschlossenen Restaurierung hat die Orgel das ihr eigene Idiom jedoch denkbar eindrucksvoll wieder zurückerlangt.     

Dr. Andreas Waczkat


Register:
I. Manual C- g        II. Manual            III. Schwellwerk        Pedal C - f

Principal 16’        Quintatön 16’            Lieblich Gedackt 16’    Principal 16’
Bordun 16’        Principal 8’            Geigenprincipal 8’        Violon 16’
Principal 8’        Konzertflöte 8’        Flauto dolce 8’        Subbaß 16’
Hohlflöte 8’        Rohrflöte 8’            Lieblich Gedackt 8’    Octavbaß 8’
Viola da Gamba 8’    Salicional 8’            Aeoline 8’            Flötenbaß 8’
Gemshorn 8’        Octave 4’            Vox coelestis 8’        Cello 8’
Octave 4’        Traversflöte 4’        Flauto amabile 4’        Gedacktbaß 8’
Rohrflöte 4’        Piccolo 2’            Flautino 2’            Posaune 16’
Fernflöte 8’        Rauschquinte 2-fach        Oboe 8’
Octave 2’        Clarinette 8’
Cornett 8’
Mixtur 2-4-fach
Trompete 8’

SuperoktavkoppelIII, Suboctavkoppel III/II, SuperoctavkoppelII,
Schweller für III.Manual, Crescendowalze


Rundfunk-Gottesdienst 31.10.2009
u. a.:
Sigfrid Karg-Elert (1877-1933): Präludium "Nun danket alle Gott"
Johann Pachelbel (1653-1706): Motette Psalm 46
Heinrich Schütz (1585-1672):   "Ich will, solang ich lebe"
Peter Janssens (1934-1998):    "Selig seid ihr"

NDR: Glocken und Chor 21.2.2009
Louis Vierne: “Carillon de Westminster“ Denny Philipp Wilke: Orgel
Günter Raphael: “Im Anfang war das Wort“ Rostocker Motettenchor, Ltg.: Eschenburg
Siegfried Thiele: “Multum factum“ Rostocker Motettenchor, Ltg.: Eschenburg
Fritz Lubrich: “In der Abendstille“ Andreas Sieling: Orgel
Johann Sebastian Bach: “Ich lasse dich nicht“ Rostocker Motettenchor, Ltg.: Eschenburg
Max Bruch: “Kol Nidrei“ Andreas Lindner, Dorothee Frei
Thomas Tallis: “O Herr, mein Gott“ Anja Steinert, Heiligen-Geist-Kantorei, Ltg.: Frei
Charles-Marie Widor: “Toccata“ Dorothee Frei: Orgel

Romantik CD 100-Jahrfeier 2008
„100 Jahre Walcker Orgel...der Romantik auf der Spur“
Anja Steinert (Sopran), Michael Goßmann (Bariton), Andreas Lindner (Cello),
Denny Ph. Wilke (Orgel)
1.    Glocken der Heiligen-Geist-Kirche
2.    Louis Vierne       Carillon de Westminster
3.    Gabriel Fauré     Cantique de Jean Racine
4.    W. A. Mozart      Laudate dominum
5.    César Franck      Panis Angelicus
6.    Thomas Tallis     O Herr mein Gott, jetzt vor der Nacht
7.    Ch.-M. Widor      Toccata F-Dur
8.    Maurice Duruflé  Prélude fur le nom d´Alain (live)
9.    Claude Debussy  Clair de lune
    Antonin Dvorak    Aus den "Biblischen Liedern":
10.        Nr. 1 Um ihn her sind Wolken und Dunkel
11.        Nr. 2 Du bist, oh Herr, mein Schirm und Schild
12.        Nr. 4 Gott ist mein Hirte
13.        Nr. 7 Pri rekách Babylonských
14.        Nr. 10 Singet ein neues Lied, singet dem Herren
15.    Max Bruch    Kol Nidrei
16.    Johannes Brahms    Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete
17.    Maurice Duruflé    Fuge fur le nom d´Alain (live)


Festkonzert Programm-Vorbereitung 100-Jahrfeier 2008

Josef Gabriel Rheinberger (1839–1901)
Konzert für Orgel und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 177
Maestoso - Andante – Con moto (ca. 27 min.)
Paul Skevington an der Steiner-Reck-Orgel Saint Luke Church McLean, Virginia
Amadeus Orchestra Washington D.C.
Dirigent: Timothy Rowe

César Franck: Prélude, Fugue et Variation op.18
Bearbeitung für Orchester von Christian Hammer
Triptychon: Andantino cantabile – Fuga – Variation Andantino (ca. 10 min.)
Marie-Claire Alain an der Cavaillè-Coll - Orgel Église Saint-François de Sales, Lyon

César Franck (1822-1890)
Choral Nr. III a-Moll für Orgel
Allegro – Adagia – Allegro (ca. 14 min.)
Marie-Claire Alain an der Cavaillè-Coll - Orgel Église Saint-Francois de Sales, Lyon

Francis Poulenc (1899-1963)
Konzert g-Moll für Orgel, Streichorchester und Pauken
Andante – Allegro giocoso - Andante moderato
Tempo allegro (Molto agitato)
Très calme (Lent)
Tempo de l´allegro initial
Tempo de l´introduction (Largo)
(Uraufführung 1939 Paris) (ca. 23 min.)
Maurice Duruflé an der Orgel Église Saint-Etienne du Mont, Paris
Orchestre National de l´Office de la Radio Télévision Française
Dirigent: Georges Prêtre

Konzert-Mitschnitt 13.11.2004: Vierne-Fauré-Poulenc
Louis Vierne (1870 – 1937)        Messe solenelle op. 16
Francis Poulenc (1899 – 1963)     Priez pour paix
Gabriel Fauré (1845 – 1924)        Ave verum
                    Priére
                    Requiem op. 48
Dorothee Schlemm, Sopran
Jörg Reddin, Bariton
Rudolf Cerc, Orgel
Kantorei der Heiligen-Geist-Gemeinde Rostock
Leitung: Dorothee Frei

Orgel CD 2002
Andreas Sieling an der Walcker-Orgel der Heiligen-Geist-Kirche Rostock
Alexandre Guilmant (1837 -1911)    Aus der Sonate Nr. 5 c-Moll op. 80
                    Allegro appassionato
                    Adagio (Adagio con molt' espressione)
                    Scherzo
Otto Dienel (1839 -1905)        Choralbearbeitung "Wer nur den lieben Gott lässt walten"
Fritz Lubrich jun. (1888 - 1971)        Toteninsel op. 37/3 nach einem Bild von Arnold Böcklin
Franz Liszt (1811 -1886)        Die Hirten an der Krippe
Oskar Wermann (1840 -1906)    Weihnachts-Pastorale op. 93 Nr. 2
Fritz Lubrich jun.            In der Abendstille op. 24 Nr. 3
Otto Dienel                Scherzando op. 27
Louis Vierne (1870 - 1937)        Aus der Symphonie Nr. 3 fis-Moll op. 28
                    Cantilène
                    Adagio
                    Final

Aufnahmen: September 2002, Heiligen Geist Kirche Rostock


Werkstattkonzert Truhenorgel-Cembalo-Flöte 28.10.2001
Giles Farnaby (um 1565 – 1640)         For Two Virginals
William Byrd (1543 – 1623)         Sellinger´s Round
Heinrich Scheidemann (um 1596 – 1663)     Fantasia G-Dur
Diego Ortiz (ca. 1510 – 1570)         Recercada secunda
Jan Pieterszoon Sweelinck (1562 - 1621)     Variationen über
“Mein junges Leben hat ein End”
Henry Purcell (1659 – 1695)        Suite Nr. 1 G-Dur
Cipriano de Rore (um 1515 – 1565) / Giovanni Battista Bovicelli (vor 1583 – nach 1597)
                        Anchor che col partire
Girolamo Frescobaldi (1583 – 1643)    Toccata secunda / Aria detto Baletto
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)     “Vater unser im Himmelreich”
                        “Wer nur den lieben Gott lässt walten“
Giovanni Antonio Pandolfi Mealli ( † 169)    Sonata “La Bernabea“

Dorothee Frei / Roland Leppin / Eva Susanna Kuen

Vorweihnachtliches Konzert Konzertmitschnitt ca. 35 min.
M. Prätorius: Wie schön leuchtet der Morgenstern
G. F. Händel: Kantate “O singet unserm Gott“
G. F. Händel: Orgelkonzert B-Dur
Zoe Nora Göres – Sopran
Mike Garling – Tenor
Chor der Heiligen-Geist-Kirche
Ein Kammerorchester
Leitung und Orgel: Dorothee Frei